Der Mann, der die Fackel der Aufklärung ins 21. Jahrhundert trägt, besitzt einen erstaunlich leichten Gang. Das mag an den Cowboystiefeln liegen, einem Markenzeichen des Harvard-Psychologen Steven Pinker, oder auch an den federnden Locken auf seinem Haupt. Wahrscheinlich lässt sich die Lässigkeit jedoch noch banaler erklären: Es läuft super für Steven Pinker. Sein neuestes Buch heißt „Aufklärung jetzt“, es ist der nächste Bestseller in Pinkers Kanon.

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Herr Professor, Ihr neues Buch wird als Sachbuch des Jahres gefeiert. Bill Gates erzählt immer und überall, wie genial Sie sind. Und gerade haben Sie der Führungsmannschaft von Apple eine Dosis Pinker-Optimismus verpasst. Wie steht es denn um Ihre Gefühlslage heute Nachmittag?

Gut, würde ich sagen. Obwohl ich zu früh aufgestanden bin. Um kurz vor sechs, um genau zu sein.

Warum das denn?

Ich habe bei meiner Stieftochter in Berkeley übernachtet, und weil mein Enkelsohn noch sehr klein ist, gehen die Tage dort früher los als gewohnt. Aber ich will nicht klagen.

Das würde auch nicht zu Ihnen passen: Als erklärter Apologet einer Neuauflage der Aufklärung fürs 21. Jahrhundert und Lieblingsautor von Gates können Sie doch gar keine schlechte Laune haben, oder?

So, wie Sie das sagen, könnte der Eindruck entstehen, ich spazierte mit einer rosa Brille durchs Leben. Dabei bin ich einfach nur Realist – allerdings einer, der seine Weltsicht auf solide Fakten stellt. Und diese sprechen eine optimistische Sprache. Die Botschaft lautet: Es ging der Welt nie so gut wie heute. Punkt.

Der Stimmung in Deutschland würde eine Dosis Pinker guttun. Kurz bevor ich losflog, marschierten Rechtsextreme, Skinheads, Wutbürger und Vertreter der Pegida-Bewegung Seite an Seite mit hochrangigen Vertretern der AfD durch Chemnitz.

Alles, was ich darüber gelesen habe, klang sehr beängstigend. Auch der Anschlag auf das jüdische Restaurant, wirklich widerlich. Aber von diesen Menschen wird sich Deutschland nicht ruinieren lassen, da bin ich mir ganz sicher.

Wie ist es denn nun um die Menschheit im Herbst 2018 bestellt?

Erst einmal die große Linie: Seit dem Mittelalter ist die Lebenserwartung von unter 30 auf über 70 Jahre gestiegen, und zwar weltweit. Gleichzeitig fiel die Rate extremer Armut von über 90 auf unter zehn Prozent. Und die Zahl der Analphabeten fiel von 90 auf unter 20 Prozent, das wiederum seit dem 19. Jahrhundert. Wir arbeiten weniger, essen gesünder, haben freien Zugang zu Medien und Wissen, leben sicherer und gewaltfreier als jede Generation vor uns. Selbst als die Generation unserer Eltern, auch wenn sich erschreckend viele Menschen dieser Tage zurück in die Vergangenheit sehnen.

In eine Vergangenheit, die es so nie gegeben hat.

Als kognitiver Psychologe kann ich Ihnen zwar erklären, wie diese Verklärung im Gehirn entsteht, nachvollziehen kann ich sie keineswegs. Der amerikanische Schriftsteller Franklin Pierce Adams hat das sehr schön mit folgendem Satz auf den Punkt gebracht: „Die beste Erklärung für die gute alte Zeit ist ein schlechtes Gedächtnis.“

Wenn die Zahlen für einen positiven Fortschritt sprechen, warum fällt es vielen Menschen schwer, diesen auch als etwas Positives anzuerkennen?

Weil Fortschritt kein Zaubertrick ist. Kein Simsalabim, Peng, Trommelwirbel, Problem verschwunden. Vielmehr ist Fortschritt eine Kraft, die Probleme löst. Das dauert und ist im Detail oft so technisch, dass viele Menschen nach einer gewissen Zeit gelangweilt wegschalten oder weiterklicken. Zumal die Aufmerksamkeitsbereitschaft ohnehin gerade erschreckend schnell abnimmt.

Und das im Zeitalter von Smartphones und endloser Feeds.

Was mir große Sorgen bereitet. Mord, Intrige und Totschlag waren zwar schon bei Shakespeare das große Ding, aber in unserer digitalen Highspeed-Realität taugen schlechte Nachrichten noch viel besser als Taktgeber. Gerade im Internet, gerade auf den Social-Media-Plattformen. Dort verzerren die Bad News, mehr noch deren hässlicher kleiner Bruder, die Fake News, unser Bild der Welt in Echtzeit.

Wie eine pervertierte Form des Höhlengleichnisses.

Im Feed von Facebook wird vermessen, welche Wahrheit Gehör findet. Obwohl ich nicht zur Panikmache tendiere, fürchte ich, dass die Abwärtsspirale sich immer schneller drehen wird. Verfolgen Sie die Diskussion um die Kandidatur von Brett Kavanaugh, Trumps Kandidat für den Supreme Court?

Ich habe gestern Abend im Hotel ein paar Minuten geschaut, dann musste ich wegschalten.

Die Stimmung in diesem Land ist wirklich hysterisch. In beiden Lagern, links wie rechts. Die Lust am Untergang in diesem Land ist erschreckend. Dabei gibt es so viele gute Nachrichten, die jedoch keiner hören, geschweige denn drucken will.

Nennen Sie uns ein Beispiel.

Die Überschrift „Gestern sind 137000 Menschen der extremen Armut entflohen“ habe ich heute Morgen nirgendwo gelesen. Sie etwa?

Nein.

Man könnte diese positive Botschaft jeden Tag drucken. Tag für Tag. Seit fast 30 Jahren. Aber keine Zeitung berichtet darüber. Zu langweilig. Lieber wieder was über kriminelle Immigranten oder den nächsten törichten Tweet aus dem Weißen Haus. Leider befeuert das den Eindruck, unsere Welt falle tatsächlich bald auseinander.

Weswegen Sie eine Streitschrift für die Aufklärung geschrieben haben.

Die Aufklärung beruht auf Fortschritt, auf Vernunft und auf Humanismus und dem Glauben an die wissenschaftliche Erkenntnis. Dabei ist Fortschritt, wie anfangs angedeutet, am schwersten zu vermitteln. Was eigentlich Wahnsinn ist, zumal man davon ausgehen sollte, dass sich die Menschheit eigentlich darauf verständigt hat, ein besseres Leben anzustreben.

Allerdings divergieren die Vorstellungen, was dieses ausmacht, sehr stark.

Nicht in den Grundzügen. Jeder will lieber glücklich als unglücklich, länger als kürzer und wohlhabender als ärmer leben. Und genau in diese Richtung entwickeln wir uns. Wir sind auf einem guten Weg. Zeigen Sie Ihren Lesern ein paar Statistiken aus meinem Buch, Kurven, Grafiken, dann können wir uns an dieser Stelle die Auflistung nackter Zahlen sparen. Denn: Fortschritt geschieht! Er ist real, universell, nicht verhandelbar.

Sowohl in Europa wie auch in Amerika werden Mauern und Zäune gebaut, Grenzen dicht gemacht, Herzen und Wohlstand hinter Stacheldraht in Sicherheit gebracht.

Der Mensch auf Wanderschaft, sei es auf der Flucht oder der Suche nach einem besseren Leben, gehört seit jeher zu unserer Geschichte. Dies ist ein evolutionärer Prozess und muss auch so verstanden werden. Der Mensch mag versuchen, den Kurs der Geschichte zu beeinflussen, ihren Lauf jedoch, den kann niemand bestimmen. Oder gar aufhalten. Und was die Mauern angeht: Bisher ist keine so hoch, als dass nicht doch irgendwann ein Mensch diese bezwingen wird. Wie gesagt: Fortschritt ist nicht verhandelbar.

Wobei Evolution auch Anpassung, im schlechtesten Fall auch Unterwerfung bis hin zu Tod bedeuten kann.

Evolution an sich ist kein Fortschrittsversprechen. So sah das auch Darwin, obgleich viele, wenn sie sich auf Darwin berufen, es an Genauigkeit vermissen lassen. Gerade die Linken bedienen sich gern einseitig: Darwins Religionskritik wird angenommen, die Schlussfolgerung des Darwinismus, die besagt, dass es eine angeborene menschliche Natur gibt, wird gern überlesen.

Wer sind die Feinde des Fortschritts?

Die gibt es auf allen Ebenen, und es wäre zu einfach, an dieser Stelle nur Populisten, Reaktionäre und Rechtskonservative aufzuführen. Erstaunlicherweise sind nämlich gerade Intellektuelle oftmals völlig taub, wenn es um Fakten geht.

Als im vergangenen Jahr das Pew Research Center Menschen aller Herkunft und Länder weltweit fragte, ob sich das Leben in den letzten 50 Jahren im jeweiligen Land verbessert oder verschlechtert habe …

… gab die Mehrheit der Amerikaner zu Protokoll, das Leben vor 50 Jahren sei ihrer Einschätzung nach besser gewesen.

Dabei starben 1967 nicht gerade wenige amerikanische Soldaten in Vietnam – während zu Hause Rassenunruhen zunahmen, Black Panthers mit Schrotflinten bewaffnet ein Gericht in Kalifornien stürmten und die Jugend Amerikas mit Blumen im Haar gegen die Eltern aufbegehrte …

… und der durchschnittliche Amerikaner deutlich mehr arbeiten musste, schlechteres Essen auf dem Tisch stand, er in kleineren Häusern lebte und sehr viel weniger Gestaltungsmöglichkeiten, was die Freizeit angeht, besaß. Noch gravierender: Vor 50 Jahren starben die Menschen in Amerika im Schnitt sieben Jahre früher.

Und wie erklären Sie dann die Studie?

Als Kombination aus getrübter Erinnerung, wachsendem Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und der gefühlten Zukunftsangst, die die Menschen zunehmend taub und unempfänglich für jedwede faktische Argumente werden lassen. All das geschieht, befeuert durch die digitale Revolution, in einer atemraubenden Geschwindigkeit. Was im Übrigen erklärt, warum sogar gebildete Menschen selbst in den reichsten Ländern des Westens von einer irrationalen Zukunftsangst gelähmt werden.

Glaubt deshalb eine Mehrheit der Einwohner von Australien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Malaysia, Norwegen, Schweden, Thailand, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Amerika sowie Singapur und Hongkong, die Welt entwickle sich, zumindest gefühlt, eher zum Schlechten als zum Guten?

Das hat mich auch überrascht. Zumal dies fast ausnahmslos Länder sind, in denen man sich vorstellen kann, zumindest für eine Zeit selbst zu leben.

Interessant war die Einschätzung der Studie zu China …

… oh ja. Vermutlich beurteilten die Menschen dort eher die Tendenz des Ganzen als nur das eigene Empfinden, was im Westen ausschlaggebend sein dürfte. Deshalb unterscheiden Soziologen zwischen der statistisch messbaren Lebensqualität und dem subjektiven Empfinden, das sich als Folge dieser Lebensqualität individuell verschieden einstellt.

Auch da ist Amerika die große Ausnahme.

Leider ja. Im Gegensatz zu anderen westlichen Demokratien nimmt das persönliche Glücksgefühl in unserem Land stetig ab. Es scheint einen „Optimism Gap“ zu geben. Dieser besagt: Der Mensch mag optimistisch sein, was das eigene Leben angeht – pessimistisch jedoch, was die Zukunft der Menschheit und die Zukunft des eigenen Landes betrifft.

Woher rührt diese Einschätzung?

Unser Gehirn neigt dazu, die eigenen Perspektiven positiver zu färben. Vermutlich aus Selbstschutz. Deshalb denkt man, entgegen aller statistischen Wahrscheinlichkeit, dass nicht wir, sondern andere an Krebs erkranken, gefeuert werden, sich scheiden lassen, einen Unfall verursachen.

Dennoch gehen die Raten, was Depressionen und Selbsttötungen angeht, gerade in westlichen Gesellschaften stetig nach oben.

Auch das kommt auf die Perspektive an. Im ganz großen Vergleich sprechen die Zahlen eine andere Sprache.

Steigt nicht die Zahl von Selbsttötungen an amerikanischen Ivy-League-Schulen geradezu dramatisch an?

Die Zahl der Freitode in Amerika steigt seit 1999 – und verglichen mit dem Gesamtwert, mag die Anzahl der Suizide an Elite-Universitäten erschütternd klingen. Aber 20 Jahre sind allenfalls ein Trend.

Verraten Sie uns, welche Zukunftslektion Sie den Appelianern heute gepredigt haben?

Das Hohelied von Fortschritt und Aufklärung.

Saß Tim Cook im Workshop?

Nein. Aber wir schätzen uns. Unser letztes Treffen fand im Juni dieses Jahres statt.

Bill Gates gilt als der prominenteste Fan Ihrer Bücher. Er bezeichnete „Aufklärung jetzt“ als sein „Lieblingsbuch aller Zeiten“.

Was mich natürlich sehr gefreut hat.

Welche Rolle spielt eigentlich der Glaube für den Fortschritt des Menschen?

Immer weniger. Wobei man unterscheiden muss zwischen der spirituellen Dimension von Glauben und der institutionellen Dimension, also aus Stein errichtete Körperschaften. Auch in der Glaubensfrage bildet Amerika die große Ausnahme. Während die meisten Länder Europas sich der Glaubensfrage auf blutigste Weise stellten, wurde diese in Amerika nie verhandelt. Hier gab es nie eine Staatsreligion. Die unterschiedlichen Glaubensrichtungen wurden schon immer auf dem Marktplatz der freien Wirtschaft feilgeboten. Mit Fernsehwerbung, Neonreklame, dem ganzen Trara. Und weil dieses Land kaum soziale Absicherung bietet, rufen die Menschen nach Gott, der sie vor Krankheiten oder Arbeitslosigkeit bewahren soll.

Sie schreiben, die Früchte der Aufklärung würden den Menschen in islamisch geprägten Ländern aufgrund des Glaubens vorenthalten.

Darauf lassen die Daten schließen, ja. Die muslimischen Länder schneiden in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Zufriedenheit und freiheitliche Selbstbestimmung durchweg schlechter ab. Übrigens auch, was das demokratische Grundverständnis der Bürger angeht.

Ist so ein Urteil nicht sehr pauschal?

Nicht wenn es auf Fakten basiert. Dazu gehören leider auch folgende Wahrheiten: Alle großen Kriege, die 2016 auf der Welt passierten, fanden entweder in muslimischen Ländern statt oder wurden von islamistischen Gruppen geführt.

Wollen Sie damit sagen, Menschen muslimischen Glaubens seien gewaltbereiter als beispielsweise Christen?

Nein, das Christentum hat auf den Kreuzzügen und im Dreißigjährigen Krieg wesentlich mehr Blut vergossen. Und auch im 20. Jahrhundert war es der Westen, der die Welt mit zwei großen Kriegen und Vernichtungslagern in den Abgrund riss.

Michel Foucault schrieb, der Holocaust sei letztendlich die brutalstmögliche Konsequenz der Erbgesundheitslehre, deren Grundlagen im 19. Jahrhundert gelegt wurden.

Man kann durchaus so argumentieren, was jedoch nicht bedeutet, dass dies auch stimmt. Man muss das Konzept der Eugenik nach Francis Galton unbedingt vom Massenmord der Nazis getrennt betrachten: Galton warb dafür, dass schlaue Menschen mehr Kinder zeugen sollten, um so der Menschheit an sich universell zu besseren Genen zu verhelfen. Den Nazis hingegen ging es nicht um Gene, sondern um verunreinigtes Blut und Rasse. Das Dritte Reich versuchte mit aller Kraft, die Errungenschaften der Aufklärung auszulöschen, und kultivierte stattdessen eine Perversion des völkischen Heidentums.

Herr Pinker, darf ich Ihnen zum Abschluss noch ein paar eher persönliche Fragen stellen?

Gern. Was wollen Sie wissen?

Wie sind Sie aufgewachsen?

In der jüdischen Gemeinde von Montreal, über die es kaum Aufregendes zu berichten gibt – allenfalls, dass Leonard Cohen von dort stammt. Er ging mit meiner Mutter in die Schule.

Was haben Ihre Eltern beruflich gemacht?

Mein Vater war zu Zeiten mal Anwalt, mal Vermieter, mal Handlungsreisender – je nach Lebenslage und Gegenwind. Meine Mutter war vor allem Mutter, später dann Lehrerin und Vize-Rektorin.

Wie muss man sich den Schüler Steven Pinker vorstellen?

Mir fiel die Schule leicht, ich war ein guter Schüler. Mein Lieblingsfach war Science, also die Naturwissenschaften.

Wann haben Sie erstmals erkannt, welche Kraft im eigenen, freien Denken steckt?

An einem Sonntag.

Aha.

Ja, sonntags besuchte ich immer die jüdische Sonntagsschule, und das habe ich geliebt. Dort wurde fortwährend diskutiert und leidenschaftlich gestritten. Über Moral, Politik, Geschichte, Philosophie, Glauben, über Ideen generell, es war herrlich.

Besuchten Sie eigentlich eine Privatschule?

Ganz im Gegenteil: Meine Staatsschule war alles andere als elitär, rückblickend war sie vor allem schrecklich. In der Highschool wurde ich auch ziemlich gemobbt.

Was würde der 16-jährige Steven über den Mann sagen, der heute hier sitzt?

Er wäre wohl ziemlich überrascht, dass ich dreimal geheiratet habe.

Das heißt, die Harvard-Karriere und Ihre Welt-Bestseller hätten ihn nicht überrascht?

Doch, schon, damals dachte ich, ich würde irgendwann als Lehrer an einer Highschool landen.

Stattdessen unterrichten Sie einen der beliebtesten Kurse in Harvard. Nebenbei jetten Sie um die Welt, um auf Konferenzen und vor Vorständen für die Aufklärung zu werben. Wann finden Sie eigentlich die Zeit, Ihre dicken Bücher zu schreiben?

Alles eine Frage der Planung. Wenn ich schreibe, dann schreibe ich. Morgens, mittags, nachts. Wie ein Besessener. Ich mache nur Pause zum Essen, zum Schlafen und zum Pinkeln.

„Aufklärung jetzt“ ist überladen mit Zahlen, Daten und Zitaten. Ihre Materialsammlung muss gigantisch gewesen sein.

Deshalb habe ich mich vor dem Schreiben ein ganzes Jahr in meine Bücher und alle möglichen Studien verkrochen.

Wo schreiben Sie am liebsten?

In meinem Haus in Cape Cod.

Wie halten Sie sich fit?

Ich mag Landschaft, deshalb fahre ich Rad, Kajak oder gehe einfach nur laufen.

Meditieren Sie, um den Geist zu reinigen?

Nein. Auch kein Yoga. Ich entspanne mich im Schlaf.

Machen Sie Mittagsschlaf?

Ja.

Haben Sie Angst vor dem Älterwerden?

Bisher genieße ich es.

Fürchten Sie, Ihr analytischer Geist könnte eines Tages schwächer werden?

Dann hatten wir bis dahin eine gute Zeit.

Die Anhänger des Transhumanismus träumen von einem ewigen Leben in der Datenwolke oder auf einem USB-Stick. Käme das für Sie infrage?

Mein Gehirn auf einen Stick laden? Auf keinen Fall. Zu mir gehört schließlich auch ein Körper, Zellen, mein Herz. Und das sage ich, ein kognitiver Psychologe, der eigentlich die Meinung vertritt, dass Intelligenz eine Frage der Datenverarbeitung ist. Fast schon ironisch.

Glauben Sie an ein Leben nach diesem?

Nein.

Bevorzugen Sie künstliche oder menschliche Intelligenz?

Menschliche.

Sollten wir Menschen Angst haben vor einem möglichen Aufstand denkender Maschinen?

Nein.

Wer war der schlaueste Denker, den Sie in Ihrem Leben getroffen haben?

Vermutlich Chomsky. Auch wenn ich Noam in vielen Dingen widerspreche.

Warum ärgern Sie sich eigentlich so sehr über Nietzsche?

Weil er ein schrecklich schwülstiger Anti-Aufklärer und Menschenfeind war. Und er mit seinen Worten den geistigen Nährboden für eines der abstoßendsten Regime des 20. Jahrhunderts lieferte. Ob dieser Vorwurf nun fair oder nicht fair sein mag, ist mir egal.

Was regt Sie sonst noch auf?

Jede Nachricht, die aus dem Weißen Haus kommt. Das ist einfach nur erbärmlich. Erbärmlich und traurig.

Was ist die größte Herausforderung für die Menschheit im 21. Jahrhundert?

Der Klimawandel. Den restlichen Wahnsinn bekommen wir über kurz oder lang in den Griff.

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